

Bäuerliches Wohnmuseum Schellenberg
Haus Nr. 12 / ehemals Haus Biedermann
Am Sonntag, dem 28. Oktober,
luden Claudia Hürlimann und Hedy Biedermann im Namen des Landesmuseums
letztmals vor der langen Winterpause Gäste aus Nah und Fern in das
Biedermann-Haus.
Herrliches Herbstwetter führte an diesem
Sonntagnachmittag manchen Spaziergänger auf den Schellenberg. Einige
fanden auch den Weg ins Biedermann-Haus. Die beiden Betreuerinnen des
altehrwürdigen Biedermann-Hauses, Claudia Hürlimann und Hedy Biedermann,
überraschten die Besucher am letzten Öffnungstag dieses Jahres in der
geheizten Stube mit Kaffee, hergestellt nach alter Tradition auf dem
Holzofen und selbstgebackenem Kuchen. Dazu ertönte wohlklingende
Zithermusik, gespielt von Johann Lackner. Ein Besuch dieses
geschichtsträchtigen Holzhauses und die kompetenten Führungen der beiden
Betreuerinnen erfreuen die Gäste immer wieder, wie ein kurzer Blick ins
Besucherbuch zeigt.

Vorne von links nach rechts: Hedy Biedermann im Gespräch mit zwei
Besucherinnen.
Hinten: Johann Lackner und Claudia Hürlimann

Seit 1994 betreibt das
Liechtensteinische Landesmuseum in der Gemeinde Schellenberg ein
bäuerliches Wohnmuseum. Das historische, 1993 an den jetzigen Standort
versetzte und dort wieder aufgebaute Bauernhaus zeigt die bäuerliche
Lebensweise und Arbeitswelt unserer Vorfahren. Im Jahre 1518 in
Blockbauweise erstellt, zählte das Haus zur Fahrhabe des jeweiligen
Pächters und wurde deshalb mehrere Male abgebaut und an anderer Stelle
wieder neu errichtet. Es dokumentiert die spätmittelalterliche
Siedlungs-, Bau- und Wirtschaftsweise im Rheintal.
Öffnungszeiten:
Von April bis Oktober
an jedem ersten und letzten Sonntag des Monats,
von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
Eintritt frei
Anmeldung von Führungen über +423 239 68 20
www.schellenberg.li

Zusammenfassung der Baugeschichtlichen Entwicklung
1518
Klassischer zweigeschossiger Kantholz-Blockbau in Nadelholz auf eichenem
Schwellenkranz. Im Erdgeschoss Stube, Nebenstube uns quergestellte
Rauchküche ohne Kamin, bis zum First offen. Im Obergeschoss grosse und
kleine Kammer.
Traufseite südwärts mit Eingangslaube, an Traufseite Nordost Laube oder
Oekonomiebauten. Erschliessung durch eine Haustüre traufseits direkt in
die Küche und Leiter in das Obergeschoss.
1687
Der Blockbau wird umgebaut und analog neu errichtet. Küche und Kamin
teilweise offen bis zum First. Der 1687 neuerstellte Dachstuhl lässt
sich rekonstruieren als stehende Konstruktion für Legschindeldeckung.
1793/94
Wiederaufbau des Blockbaus am Standort "Under Platta" im Vorderen
Schellenberg. Stube, Kammer und Laube Südwärts liegen über einemin
Lehmmörtel und Rüfesteinen gesetzten Keller mit Aussenabgang vor der
Südostfassade und Innenabgang aus der Westecke der Küche. Treppe oder
Leiter in das Obergeschoss; Kamin aus Küche bis über das Dach. Stehender
Dachstuhl unter Ziegelgedecktem Sparrendach. In den Wohnräumen unechte
Butzenfenster. In der Stube eingebautes Buffet.
1832
Verschieden Umbauten. Erneuerung der Laube.
1837
Einbau des Sandsteinofens sowie der gestemmten Wandtäfer in den Stuben
und Kammern.
1844
Nordwestfassade mit Rundschindeln belegt, im Giebel stilisierte Rocaille.
1892
Reparaturen und Erneuerungen an der Laube. An Nordwestfassade
Sprossenfenster in Obergeschoss und Dachgeschoss.
1923
Durch Einstellwand in Küche Abtrennung eines Ganges mit Treppenhaus; im
Gang Holztreppe in das Obergeschoss und in den Keller. Vollständige
Erneuerung der Herd-, Ofen- und Kaminanlage mit gemauertem Sechtherd,
Eisenherd, Kachelofen und Kaust, Kamin und Rauchkammer. Schliessung der
Türe von der Küche in die Nebenstube. Neuer Keller-Aussenabgang von der
Südwestfassade.
1940
Im Erdgeschoss werden neue Riemenböden verlegt, 15 bis 60 cm unter
bisherigem Bodenniveau. Im Erdgeschoss Ersatz aller Türen; neue
Holztreppe in das Obergeschoss. An Südost und Südwestfassade Ersatz
aller Butzenscheiben von 1793/94 in Sprossenfenster unter Änderung der
Öffnungsweiten.
1984
Abtritt der Laube. Treppe zum Haus in Beton.
seit 1964 nicht mehr bewohnt.
1992/93
Translozierung an den jetztigen Standort und Sanierung. Aus
konstruktiven Gründen wurden die Sprossenfenster (1844 und 1940) durch
die alten Butzenscheibenfenster ersetzt. Rekonstruktion der Zugläden und
Anbau der Rückseitigen Oekonomiebauten.
1994
Eröffnung als bäuerliches Wohnmuseum
Aussenstelle des Liechtensteinischen LandesMuseums.
Im LandesMuseum Vaduz, wir ein informativer Film über die Dislozierung
sowie den fachgerechten Wiederaufbau des "Biedermannhauses Nr. 12"
gezeigt.
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