Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 06.06.2018
18:00 - 19:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Traditionen und Innovationen an einer Transitachse
Traditionen und Innovationen an einer Transitachse – Lebenswelten im
Alpenrheintal zwischen der späten Eisenzeit und der Spätantike
(2. Jh. v. Chr. bis 5. Jh. n. Chr.)


Die Archäologin Christa Ebnöther El Haddad veranschaulicht am Mittwoch, 6. Juni 2018, um 18 Uhr im Liechtensteinischen Landesmuseum das Leben im Alpenrheintal in der Zeit zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und dem 5. Jh. n. Chr. Der Vortrag im Rahmen der Sonderausstellung «Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee» findet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur, Archäologie, statt. Der Eintritt ist frei.

Das Alpenrheintal bildet zusammen mit dem Zürich- und dem Walensee eine der wichtigsten Routen, welche die zentralen Südalpentäler mit dem nördlichen Alpenvorland bzw. dem Mittelland über Wasser und zu Land verbindet. Im Zentrum des Vortrages stehen der Lebensraum an dieser Transitachse und die Veränderungen im Alltag von dessen Bevölkerung während der römischen Epoche. Spätestens ab dem mittleren 1. Jh. v. Chr. nahm der Einfluss Roms im Gebiet nördlich der Alpen zu. Damit bekam diese Passage eine wichtige strategische Bedeutung. Die verschiedenen schriftlich und archäologisch überlieferten Ereignisse in der Zeit vor der Eingliederung der Alpen und des Alpenvorlandes ins Römische Imperium in den Jahren 16/15 v. Chr. haben zweifellos auch ihre Spuren bei der Bevölkerung im Alpenrheintal hinterlassen. So wird zum Beispiel über die Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und der römischen Armee auf dem Bodensee und in den Bündner Alpen oder über die Anwesenheit von Militärpersonen am Walensee berichtet.

Nach der endgültigen Eroberung war das Alpenrheintal während zehn bis zwölf Generationen Teil eines gut und grossräumig organisierten und vernetzten Verwaltungs- und Wirtschaftsraums mit all seinen Vor- und Nachteilen. So wurden, wie heute, Steuern an den Staat nicht sehr gerne abgeliefert. Man genoss aber den, im Gegensatz zu den früheren Zeiten, leichteren Zugang zu Luxusgütern und technischen Möglichkeiten, die den Alltag und Lebensraum veränderten und prägten.

Nach dieser ruhigen Zeit, die man auch pax romana – römischer Frieden – nennt, begannen sich im Verlaufe des 3. Jh. die Ereignisse zu überstürzen: Eine instabile innenpolitische Situation und äussere Bedrohungen durch Feinde im Norden und im Osten des Reichs führten immer wieder zu Unsicherheiten und Unruhen. Dass auch das Alpenrheintal davon nicht verschont geblieben ist, bezeugen die Präsenz von römischem Militär und vor allem der Bau von Fluchtburgen in geschützten Höhenlagen, in welchen die Zivilbevölkerung in Notseiten Schutz fand. Reformen in der Verwaltung und in der Wirtschaft, schliesslich auch die Neubefestigung der Reichsgrenze brachten sicherlich etwas Ruhe in den Alltag. Mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers 476 n. Chr. endete bei uns die römische Zeit und machte Platz für eine neue Epoche, das frühe Mittelalter.

Prof. Dr. Christa Ebnöther El Haddad studierte Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie und Religionsgeschichte an der Universität Zürich. Sie promovierte 1995 an der Universität Bern, wo sie im Anschluss als Assistentin am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie der Römischen Provinzen arbeitete. 2007 folgte die Habilitation. Sie war an verschiedenen Ausgrabungs-, Auswertungs- und Ausstellungsprojekten des Archäologischen Dienstes des Kantons Graubünden, in der Römerstadt Augusta Raurica, der Kantonsarchäologie Zug, des Museums für Urgeschichte(n) Zug und des Amts für Städtebau Zürich beteiligt. Seit 2011 ist Christa Ebnöther ordentliche Professorin für Archäologie der Römischen Provinzen an der Universität Bern.

Blick ins Rheintal © Amt für Kultur, Archäologie.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur, Archäologie