Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 23.05.2018
18:00 - 19:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Tschechien und Europa heute
Mit a. Botschafter Dr. Ferdinand Trauttmansdorff, Mitglied der
Liechtensteinisch-Tschechischen Historikerkommission, 2010–2015
Botschafter Österreichs in Prag


Am Mittwoch, 23. Mai 2018, um 18.00 Uhr referiert im Liechtensteinischen Landesmuseum der österreichische alt Botschafter Dr. Ferdinand Trauttmansdorff zum Thema «Tschechien und Europa heute». Die Liechtensteinisch-Tschechische Historikerkommission, das Amt für Auswärtige Angelegenheiten und das Landesmuseum laden herzlich zu diesem aktuellen Vortrag ein.

Ein Land voller Widersprüche
Tschechien ist ein Land, das den äusseren Beobachter durch scheinbare Widersprüche verwirrt: Ein wirtschaftlich prosperierendes Land weist einen instabilen politischen Prozess mit teils radikalen Tendenzen auf. Einer nordatlantischen Solidarität steht eine Russlandfreundlichkeit gegenüber; Hoffnungen auf eine gemeinsame europäische Zukunft steht Euroskepsis entgegen; einem von Vaclav Havel geprägten Humanismus widersprechen identitäre Strömungen, mit unsicherer Haltung zur Roma-Minderheit und Opposition gegen eine gesamteuropäische Flüchtlingspolitik. Eine unter jüngeren Generationen offenere Haltung zur Aufarbeitung auch dunkler Kapitel der eigenen Geschichte wird durch die Pflege verfälschter historiografischer Stereotypen konterkariert. Sie überdecken eine Unsicherheit, wie etwa mit offenen vermögensrechtlichen Fragen umzugehen sei. Die Beziehungen Tschechiens zu Liechtenstein sind von letzteren Widersprüchen besonders betroffen.

Persönliche Intensivbeobachtung
Der Vortrag versucht, diese etwas unübersichtliche Gemengelage auf der Basis einer persönlichen sechsjährigen Intensivbeobachtung des Referenten und unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung Tschechiens zu ordnen. Herauszuarbeiten ist die tatsächliche und mögliche zentrale Rolle Tschechiens auf dem Weg in ein stabiles und friedliches Europa, gestärkt durch innovative Kooperations- und Integrationsformen. Dabei wird auch das historisch komplexe und immer noch widersprüchliche Verhältnis zwischen Tschechien und Liechtenstein in das grössere Bild einbezogen.
Teil des «Tschechischen Geschichtstags in Liechtenstein»
Dieser aktuelle Abendvortrag rundet den von der Historikerkommission organisierten «Tschechischen Geschichtstag in Liechtenstein» ab, bei welchem tagsüber im Landesarchiv (10–12, 14–16 Uhr) fünf tschechische Historiker/innen zu den geschichtlichen «8er-Jahren» der Böhmischen Länder (1348, 1608, 1618, 1918, 1948) referieren.

Der Referent
Dr. Ferdinand Trauttmansdorff, geboren 1950, studierte an der Universität Graz Jus und am Collège d’Europe in Brügge Europäisches Recht. Ab 1980 war er im österreichischen Aussenministerium als Völkerrechtsexperte tätig, zuletzt als Leiter des Völkerrechtsbüros und Rechtsberater des Aussenministeriums. Als Diplomat diente er in Genf, Bukarest, Washington, Budapest sowie als Botschafter Österreichs in Kairo, Lissabon und zuletzt 2010–15 in Prag – er beherrscht die tschechische Sprache. Derzeit unterrichtet Trauttmansdorff Völkerrecht und Diplomatie an der Andrassy-Universität in Budapest. Seit 2015 ist er Mitglied der Liechtensteinisch-Tschechischen Historikerkommission.