Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 28.03.2018
18:00 - 19:00 Uhr
Landesmuseum
Vortrag
Die römische Welt im Massstab 1:100
Mit Bruno Köpfli, Modellbauer und Filmemacher, Eschen

In der Sonderausstellung «Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee» ist das Modell des römischen Gutshofs von Nendeln zu sehen. Sein Erbauer Bruno Köpfli erläutert wie das Werk entstanden ist. Der Vortrag findet in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kultur, Archäologie, am Mittwoch, 28. März 2018, um 18:00 Uhr im Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz statt. Der Eintritt ist frei.

Wer kennt sie nicht, die in den 1970er-Jahren ausgegrabenen Reste der römischen Villa oberhalb von Nendeln? Jeder, der schon einmal innerhalb dieser Mauern stand, hat sich sicher schon überlegt, wie das Haus vor 2000 Jahren ausgesehen haben mag. Genau diese Gedanken inspirierten den Archäologen Hansjörg Frommelt und den Modellbauer Bruno Köpfli im Frühjahr 2017 während einer Begehung der Ausgrabungsstätte zu einem Modellbau-Projekt.

Nachdem man sich über Massstab, Grösse und Ausführungsart geeinigt hatte, begann Bruno Köpfli mit den Vorbereitungen der Arbeit. Nach der Eingabe des Begriffs «Römervilla» in die Suchmaschine des Internets war die Überraschung gross: Hunderte von Bildern und Darstellungen erschienen, aber keines hatte auch nur annähernd Ähnlichkeit mit den Rekonstruktionszeichnungen Georg Malins aus dem Jahr 1976. Folglich beschloss Bruno Köpfli, mit der Planung für die Visualisierung des Gutshofs von Grund auf zu beginnen.

Die meisten Darstellungen von den Hauptgebäuden römischer Villenanlagen zeigen zwei markante Türme, sogenannte Risalite. Wenn man die Mauerreste vor Ort richtig deutet, kann es auch beim Hof von Nendeln so gewesen sein. Für die Planung des Modells ging man daher davon aus, dass der Eingangsbereich des Hauptgebäudes mit dem Portikus von zwei Türmen flankiert war. Um den Kernbau waren die Nebenräume angeordnet. Dachformen und -neigungen wurden von technischen Überlegungen und von anderenorts gemachten archäologischen Befunden abgeleitet. Zwei der im Modell dargestellten Nebengebäude sind in Nendeln dokumentiert, weil ihre Mauerfundamente ausgegraben wurden. Hingegen ist der Pferdestall aus Holz nicht belegt. Ebenso reine Fiktion sind die Römerstrasse, das Eingangstor mit der Hofmauer, die Gräber und der kleine See beim Badehaus. Das Gelände entspricht hingegen dem natürlichen Gefälle rund um die Nendler Ausgrabungsstätte und ist den Geodaten des heutigen Übersichtsplans entnommen.

Das Modell im Massstab 1:100 enthält damit interessante Details, die einerseits noch vor Ort zu sehen sind, andererseits aufgrund von Parallelen von römischen Gutshöfen an anderen Fundorten in der Schweiz und in Deutschland in die Darstellung eingeflossen sind.

Bruno Köpfli war in seiner aktiven Zeit einer der ersten Film- und Videoproduzenten Liechtensteins. Parallel dazu baute er Architekturmodelle. Er ist Inhaber des 1985 in Schaan gegründeten und seit 2000 in Eschen angesiedelten Ateliers 32 mit Kö-Film und dem Atelier für Architekturmodellbau.


Bildlegende: Modell einer römischen Villa, von Bruno Köpfli. © Amt für Kultur, Archäologie.


Europäisches Jahr des kulturellen Erbes (www.denkx18.li)