Veranstaltungsdetail
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Mittwoch, 10.09.2014
18:00 - 20:00 Uhr
Landesmuseum
Abendveranstaltung mit Apéro
Vortrag und Buchpräsentation mit anschliessendem Apéro
Mit Claudius Gurt, Bearbeiter des Liechtensteinischen Urkundenbuchs Teil II

18 Uhr: Vortrag: Wegweiser ins Mittelalter. Aufgabe und Bedeutung
des Liechtensteinischen Urkundenbuchs
Mit Claudius Gurt, Bearbeiter des Liechtensteinischen Urkundenbuchs Teil II

19 Uhr: Präsentation von Band 113 des Jahrbuchs des
Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein

Am Mittwoch, 10. September 2014, um 18.00 Uhr, gibt der Bearbeiter des Liechtensteinischen Urkundenbuchs, Claudius Gurt, im Landesmuseum Einblicke in eine oft als dunkel und finster verschriene Zeit und in die Arbeitsweise der Edition spätmittelalterlicher Schriftzeugnisse. Der Vortrag steht unter dem Titel: „Wegweiser ins Mittelalter. Aufgabe und Bedeutung des Liechtensteinischen Urkundenbuchs“.

Schaan, Montag, den 14. Mai 1509: Ungewohnte Aufregung herrscht im sonst so ruhigen und friedlichen Dorf. Man kennt sich gut in der kleinen Ortschaft und vor allem kennen die Schaaner den zwielichtigen Hans Müller (Name geändert), der heute vor dem herrschaftlichen Gericht ihres Landesherrn, des Grafen Rudolf von Sulz, steht. Die Anklage lastet schwer auf dem in allen Punkten geständigen Beschuldigten.
Einem frommen Mädchen hat er die Ehe versprochen, dieses aber im Nachhinein um zwei Gulden erpresst, damit er nicht Anklage gegen sie vor dem Chorgericht, das sich u. a. mit Unzucht und Ehebruch zu beschäftigen hatte, erhob. Überhaupt hat er sich immer wieder mit rechtschaffenen Leuten aus dem Dorf gerichtlich angelegt und keine Hinterlist gescheut, das Recht zu seinen Gunsten zu beugen. Besonders übel aber nahmen ihm die Dorfbewohner, dass er immer wieder ihren Ehefrauen und Töchtern nachstellte und versuchte, diese als unehren- und lasterhaft zu verunglimpfen. Damit aber nicht genug, sogar gegenüber seiner eigenen Mutter hat er sich keineswegs, wie es einem anständigen und rechtschaffenen Sohn gebührt, verhalten, sondern diese oftmals und aufs Schlimmste verflucht und ihr grosses Leid zugefügt. Zu guter Letzt hat er noch dem Dorfpfarrer das Pferd aus dem Stall gestohlen, es versteckt und ein "Lösegeld" von einem Gulden dafür gefordert. Die Schaaner sind also höchst gespannt auf das Urteil, wird diesem Tunichtgut endlich und ein für allemal der Riegel geschoben?
Eigentlich keine Frage. Mit solchen Störenfrieden gilt es kurzen Prozess zu machen und für diese Vergehen winkt in der Regel die Todesstrafe, lediglich über die Hinrichtungsart gehen die Meinungen auseinander: Hängen, Hinrichtung durch das Schwert, Rädern oder sogar Vierteilen? Die Aussichten für den Missetäter sind wahrlich düster. Das Urteil liegt schriftlich vor, es wird verlesen und vom Verurteilten vollumfänglich akzeptiert.

Der Historiker und Bearbeiter des zweiten Teils des Liechtensteinischen Urkundenbuchs, Claudius Gurt, lädt in seinem Referat zu einem Besuch ins liechtensteinische Mittelalter. Was verraten uns die überlieferten Schriftzeugnisse über eine ferne Welt, die uns vielfach fremd und unverständlich, ja geradezu finster und doch auch wieder seltsam vertraut erscheint? Wie holt man diese tief in Archiven schlummernden Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit ins Tageslicht, bringt sie zum Sprechen und ins Bewusstsein des Menschen im 21. Jahrhundert? Und wozu überhaupt der ganze Aufwand? Gleichsam als Wegweiser für eine mitunter nicht ganz einfache Reise in eine fernere Vergangenheit bietet das Liechtensteinische Urkundenbuch Wegmarkierungen und kundige Führung für all jene Leute, die sich auf das Wagnis einer solchen Reise einlassen.
Übrigens, sollte sich jemand für den Namen des Angeklagten interessieren, so findet er ihn leicht in der digitalen Version des Liechtensteinischen Urkundebuchs (www.lub.li), wo der Urkundentext sambt Urkundenabbildung bequem per Mausklick aufgerufen werden kann.

Nach dem Vortrag findet um 19.00 Uhr die Präsentation von Band 113 des Jahrbuchs des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein statt. Die Veranstaltung wird gemeinsam vom Historischen Verein und dem Liechtensteinischen Landesmuseum durchgeführt.



Das Bild zeigt ein Heiratsfest mit dem Teufel, wofür die beteiligte Mutter und ihre Tochter vor Gericht zum Tode verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Ein gängiges Sinnbild für ein dunkles Mittelalter, in dem Aberglaube herrschte, eine fragwürdige Justiz urteilte und grausame Hinrichtungen vollzogen wurden. Bildnachweis: © Zentralbibliothek Zürich, Wickiana, Ms F 18, fol. 146a.